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Aus der Welt der Esoterik

Das China-Tarot

Wer sich mit der chinesischen Fünf-Elemente-Lehre auskennt, der verfügt gleichzeitig über ein wichtiges Basiswissen in Bezug auf die chinesische Philosophie.

Das Wissen über die chinesischen Elemente, die auch „Fünf Wandlungsphasen“ genannt werden, ist nichts anderes als eine daoistische Theorie zur Naturbeschreibung und bildet das Grundgerüst der chinesischen Weisheitslehre.

Die Fünf-Elemente-Lehre ist unter anderem von essenzieller Bedeutung in der chinesischen Raumlehre Feng-Shui, in der chinesischen Astrologie und im altchinesischen I Ging („Buch der Wandlungen“). Ebenso wird sie in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und mittlerweile auch in ganzheitlichen Ansätzen der neueren westlichen Medizin berücksichtigt.

Es ist zugegebenermaßen kaum möglich, die gesamte chinesische Weisheitslehre in einem Tarotdeck abzubilden, zumal unsere abendländische Philosophie der Fünf-Elemente-Lehre nicht immer entgegenkommt. Dennoch ermöglicht das „China Tarot“ einen Blick in die chinesische Kultur, indem es deren Bräuche und Lebensauffassung darstellt: Bei diesem Deck handelt es sich um eine Wiederauflage des chinesischen „Der Jen Tarot“, das 2004 in China veröffentlicht wurde. Gestaltet wurde es von De Zhen. In Europa ist es unter dem Namen „China Tarot“ erhältlich.

Aufbau des China Tarots

Das „China Tarot“ setzt sich aus der überlieferten Struktur zusammen. Die Große Arkana hat die herkömmliche chronologische Reihenfolge, die Bilder unterscheiden sich teilweise von den traditionellen Darstellungen. Dies trifft teilweise auch auf die Kleine Arkana zu. So dürften die Zahlenkarten für manche Kartenleger gewöhnungsbedürftig sein, denn sie enthalten nicht die gewohnten Illustrationen, aus denen sich die Bedeutungen der einzelnen Karten ableiten lassen, sondern lediglich die zahlenmäßige Anordnung des jeweiligen Symbols, wie es aus sehr alten Kartendecks, wie beispielsweise dem „Tarot de Marseille“, bekannt ist. Dieser Umstand wird oft als Nachteil, manchmal jedoch als Vorteil empfunden. Ungünstig ist zweifellos, dass ein Neuling, der die Bedeutung der Karten noch nicht verinnerlicht hat, mehr Mühe hat bei der Interpretation. Kartenleger, die mit dem Tarot bereits vertraut sind, wissen diese neutralen Abbildungen hingegen zu schätzen, weil sie eine unvoreingenommene Auslegung zulassen.

China Tarot richtig deuten

Was die Deutung der einzelnen Karten aus dem „China Tarot“ anbelangt, gibt es – wie so oft – keine Literatur, aber ein kleines Booklet, das dem Deck beigelegt ist. Hier heißt es einleitend, dass es sich bei den Erläuterungen zu den einzelnen Karten ausschließlich um „Deutungs-Empfehlungen“ handelt. Zu den Bild- und Symbolbeschreibungen ist kaum etwas zu finden, sodass anhand des Booklets nichts über die kulturellen und traditionellen Hintergründe in Erfahrung gebracht werden kann. Hinzukommt, dass der Leser bereits beim ersten Durchsehen feststellen kann, dass einige Abbildungen nicht nur sehr von den traditionellen Überlieferungen abweichen, sondern auch von den archetypischen Bedeutungen. Das heißt, dass die Arbeit mit dem „China Tarot“ etwas Erfahrung oder zumindest ein Gespür für Bildsprache voraussetzt.

Wer nun beim „China Tarot“ Illustrationen wie Kirschblüten, Lotusblumen, Geishas oder bärtige Weise wie Laozi oder Konfuzius erwartet, wird erstaunt sein. Zwar ist diesem Deck die chinesische Kultur sofort anzusehen, doch mit dem altertümlichen Stil haben diese Karten nicht mehr viel zu tun: Sie wirken modern und unserem Zeitgeist entsprechend, obgleich es dem Schöpfer darüber hinaus gelungen ist, den Geist des frühen Chinas in den Karten einzufangen.

Ein weiteres Merkmal des „China Tarots“ ist, dass es sehr jugendlich, aber dennoch ernsthaft wirkt. Zwar strahlen die meisten Personen Unnahbarkeit und Disziplin aus, sie sind allerdings sehr jung. Selbst männliche Personen, die aus traditioneller und archetypischer Sicht für Reife, Weisheit und Erfahrung stehen, etwa „Der Herrscher“ (IV) und „Der Hierophant“ (V) muten ungewohnt knabenhaft an.

Anpassungen gibt es außerdem bei den Symbolen der Kleinen Arkana, die auch Farben genannt werden: Statt Kelche sind Helme zu sehen, die quasi einen Behälter darstellen, der gefüllt werden könnte. In der Reihe der Münzkarten wurden chinesische Zahlungsmittel abgebildet, die etwa um das Jahr 600 herum von Kaiser Kao Tsu eingeführt wurden, der außerdem die Tang-Dynastie begründete. Diese Münzen werden heute reproduziert und finden zahlreich Verwendung als chinesische Glücksmünzen oder "I Ging"-Münzen, mit denen das Orakel befragt wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 

"Der Magier" im China Tarot

Auf den ersten Blick hat „Der Magier“ (I) nicht viel mit der traditionellen Darstellung zu tun, zumal er als junge Frau erscheint, was ungewöhnlich ist. Bei näherem Hinsehen ist erkennbar, dass die Magierin in ihrem Kimono sehr androgyn wirkt. Sie ist ebenfalls mit den vier Farben vertraut, wie es häufig in anderen Decks veranschaulicht wird. Zwischen ihren Händen scheinen ein Stab, ein Schwert sowie ein Helm zu schweben – links im Hintergrund könnten Münzen liegen. Traditionell repräsentiert diese Karte Meisterschaft; sie drückt aus, dass der Fragesteller die vorhandenen Ressourcen (symbolisiert durch die vier Farben) gut zu nutzen weiß. Demzufolge versinnbildlicht diese Karte grundsätzlich Gelingen und kündigt das Überwinden von Schwierigkeiten und Hemmungen an.

In beruflicher Hinsicht meint sie das Bestehen von Prüfungen oder Bewältigen herausfordernder Aufgaben. „Der Magier“ zeigt an, dass der Ratsuchende sein Arbeitspensum schafft und in seinem Aufgabenbereich glänzen und beeindrucken kann. Auf der Ebene zwischenmenschlicher Beziehungen beschreibt diese Karte Faszination und Anziehungskraft.

Wie jede Karte beinhaltet „Der Magier“ nicht nur positive Seiten: Er kann zudem Herausforderungen, Risiken, Angeberei, Arroganz oder Selbstüberschätzung symbolisieren und zeigt damit Hochstapler, Spekulanten und Falschspieler an. Nicht umsonst trägt diese Karte in alten Tarotdecks die Bezeichnung „Der Gaukler“.

„Der Magier“ zieht prinzipiell Aufmerksamkeit auf sich. Er hat häufig ein Publikum, das ihn beobachtet und bewundert, unabhängig davon, ob er nun tatsächlich für einen Spezialisten oder Bluffer steht. Deshalb findet er seine moderne Entsprechung auch im Bereich Entertainment. Im Booklet des „China Tarots“ ist er sehr vage beschrieben: „Wille, Kontrolle, Geschick, Fragen und Experimente“, diese Wörter werden genannt.

 

Deutung der Karte "Turm"

Bei „Der Turm“ (XVI) handelt es sich traditionell um eine Furcht einflößende Karte, die im „China Tarot“ bei Weitem nicht so dramatisch, aber dennoch spannungsgeladen illustriert wurde. Auf dem Bild ist eine Pagode, ein chinesisches turmartiges Bauwerk, zu sehen, in die der Blitz einschlägt, weshalb sie ins Wanken gerät.

Die dunklen Wolken im Hintergrund betonen das Unwetter. Der überlieferten Bedeutung zufolge offenbart der Turm das Zusammenbrechen alter Strukturen, die auf der Karte in der Regel durch ein zusammenstürzendes Gebäude ausgedrückt werden. Davon können Überzeugungen oder sogar Lebensgrundsätze betroffen sein. Dieser Zusammenbruch kann durch ein äußeres Ereignis oder durch eine eigene Erkenntnis ausgelöst werden. Doch fast immer passiert das unangekündigt und sehr plötzlich. Das zeigt der Blitz auf dieser Kartenversion an. Es hängt vom Fragehintergrund ab, ob „Der Turm“ vom Fragesteller als schwerer Schicksalsschlag oder als willkommener Durchbruch empfunden wird.

Meist wird diese Karte zunächst als Unglück aufgefasst, weil sie dem Ratsuchenden eine Basis entzieht, die ihm vorher Halt gegeben hat. Erst später – sobald der erste Schreck überwunden wurde – kristallisiert sich oftmals heraus, dass dieser Zusammenbruch notwendig war, weil die bisherigen Konzepte und Sicherheiten veraltet sind. Sie sind überflüssig geworden.

Erscheint „Der Turm“ in einer Legung zum Thema Job und Karriere, kann er für eine plötzliche Kündigung oder ein Scheitern stehen; Erwartungen werden nicht erfüllt. Hier gilt ebenfalls: So beängstigend und folgenschwer diese Karte anfangs erscheinen mag – meist versinnbildlicht sie zugleich ein Ausbrechen aus zu engen Verhältnissen. Das ist eine Chance.

Ähnliche Sprengkraft hat „Der Turm“ beim Thema Liebe und Beziehungen. Er kündigt nicht selten an, dass Hoffnungen und Erwartungen unerfüllt bleiben, was mit dem Scheitern einer Beziehung auf eine Stufe gestellt werden kann. „Der Turm“ kann allerdings außerdem für die Befreiung aus einer Art Beziehungsgefängnis stehen und somit als Erleichterung empfunden werden. Gelegentlich kann diese Karte meinen, dass sich der Fragesteller nach einer Zeit der Zurückgezogenheit oder Isolation nun plötzlich – wenn auch angstvoll und unsicher – einem anderen Menschen öffnet.

Im Booklet zum „China Tarot“ ist „Der Turm“ wie folgt beschrieben: „Raserei, fehlende Sicherheit, Ruin, Bestürzung“. Diese Stichpunkte sind richtig, wobei die vorteilhaften Facetten des Deutungsspektrums nicht erwähnt werden.

 

Die Kleine Arkana

Wenden wir uns jetzt der Kleinen Arkana zu. Kommen wir zuerst zu den Hofkarten. Im Gegensatz zur traditionellen Symbolik erscheinen die Buben im „China Tarot“ nicht als junge Männer oder männliche Kinder, sondern als junge Frauen. Das hängt damit zusammen, dass dieses Deck gleichfalls als „Classic Chinese Ladies Tarot“ bekannt ist: Klassische chinesische Damen werden in diesem Tarot porträtiert.

 

"Bube der Schwerter" - Bedeutung im China Tarot

So ist auf der Karte „Bube der Schwerter“ eine junge Frau zu sehen, die ein Schwert in die dazugehörige verzierte Scheide steckt oder sie herauszieht. Im Gegensatz zu den traditionellen Bildern erscheint diese Karte sehr mild, fast schon freundlich – eine Eigenschaft, die sich übrigens im „China Tarot“ durchgehend bemerkbar macht und vermutlich auf die überlieferte Ethik von Konfuzius zurückzuführen ist, der Gehorsam sowie Höflichkeit und Ehrerbietung gegenüber anderen, besonders gegenüber der Obrigkeit, lehrte.

Die junge Frau scheint zu lächeln, ihre Bekleidung lässt nichts von einem Kampf erkennen. Auch der Hintergrund ist für eine Schwertkarte ungewohnt harmonisch und ruhig – es sind große Blüten zu sehen.
Traditionell steht der „Bube der Schwerter“ im günstigsten Fall für klärende Gespräche; meist beschreibt er aufkeimende Konflikte oder trennende Auseinandersetzungen. In beruflicher Hinsicht kann sich das durch unangenehme Kritik oder „böses Blut“ im Umgang mit Kollegen oder Geschäftspartnern äußern.

Hinsichtlich persönlicher Beziehungen kündigt diese Karte häufig Vorwürfe oder gar Zerwürfnisse an, die eine Trennung zur Folge haben können. Die Chance, die diese Karte birgt, liegt darin, klärende Gespräche zu führen und dadurch wieder zu Gemeinsamkeiten zu gelangen. Der Schöpfer des „China Tarots“ hat dem „Buben der Schwerter“ hingegen eine viel sanftere Rolle zugewiesen: Im Booklet werden positive, bislang unbekannte Facetten dieser Karte erwähnt, nämlich die „Definition einer Identität“, das „Beschäftigen mit Existenzfragen“ sowie eine „Suche“.

 

"Sechs der Münzen" deuten

Selbst wenn die Zahlenkarten der Kleinen Arkana nicht so „sprechend“ bebildert sind – ästhetisch ansprechend sind sie allemal. Auf der Karte „Sechs der Münzen“ beispielsweise sind die Münzen, die mit der Yin-Seite nach oben zeigen, gleichmäßig in drei Reihen zu je zwei Münzen angeordnet. (Münzen aus der Kaiserzeit sind rund und haben in der Mitte ein quadratisches Loch. Das symbolisiert die Einheit von Himmel und Erde. Die Yang-Seite ist die Seite mit den vier Schriftzeichen, die Yin-Seite die mit den zwei Zeichen.) Das verdeutlicht wieder den weiblichen Charakter dieses Tarotdecks.

Bei der „Sechs der Münzen“ dreht es sich um eine Karte, die in der Überlieferung sehr oft unterschiedlich interpretiert wird. So wird sie als Karte der Wohltätigkeit und Hilfsbereitschaft betrachtet, wie es beispielsweise der Tarotspezialist Arthur Edward Waite tat. In Job- und Karrierefragen beschreibt sie Hilfe aller Art.

Sie kann zudem ein Hinweis auf eine gezielte berufliche Förderung sein; in Liebes- und Partnerschaftsfragen steht sie ebenfalls für eine gezielte Unterstützung. Andererseits wird sie einfach nur als eine Karte des materiellen Gewinns oder der fruchtbaren Zusammenarbeit betrachtet, was der Interpretation nach Aleister Crowley entspricht. Was diese unterschiedlichen Auslegungen gemeinsam haben, ist ein harmonisches Kräftegleichgewicht: ein Ausgleich, der sich in einem fairen Geben und Nehmen beziehungsweise in einem gegenseitigen Austausch äußern kann.

Die „Sechs der Münzen“ kann also für die Förderung der Karriere oder ganz einfach nur für eine gute Entwicklung stehen. Im privaten Bereich kennzeichnet diese Karte gegenseitige Unterstützung, Toleranz, Verständnis und Großzügigkeit.

Der Urheber des „China Tarots“ hat dieser Karte Ähnliches zugewiesen: Im Booklet sind Schlüsselwörter wie „Wohltätigkeit“ oder „materielle Hilfe“ aufgeführt. Darüber hinaus hat sie hier auch die Bedeutung von Überfluss, weil sie ebenso anzeigen soll, dass der Fragende mehr besitzt, als er eigentlich benötigt.

 

Bedeutung der Karte "Ass der Kelche"

Wie alle Zahlenkarten ist das „Ass der Kelche“ gleichfalls sehr schlicht dargestellt. Darauf ist nämlich nur ein verzierter Helm zu sehen, der gleichermaßen – wie oben erwähnt – als Gefäß fungiert. Traditionell handelt es sich hierbei um eine äußerst angenehme Karte, denn sie zeigt emotionale Erfüllung an. Dies gilt für Fragen bezüglich einer Partnerschaft: Sie offenbart große Verliebtheit. Des Weiteren gilt das für Fragen bezüglich Job und Karriere. Dann meint sie häufig Freude, Kreativität und berufliche Erfüllung.

Im „China Tarot“ wird diese Karte – möglicherweise gemäß der chinesischen Tradition – etwas sachlicher interpretiert. Hier beschreibt das „Ass der Kelche“ die Gefühlswelt sowie die Empfindungen eines Menschen als solches. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass das Themenfeld Job und Karriere eher den Männern zugeschrieben wird? Davon abgesehen ist diese Karte ein Sinnbild für die gesamte spirituelle Welt.

 

Zusammenfassend können wir also festhalten: Wer sich Tarotkarten wünscht, die sich eher zurückhaltend und objektiv mitteilen, der wird am „China Tarot“ große Freude haben. Darüber hinaus ist dieses Kartendeck ästhetisch äußerst anspruchsvoll gestaltet. Es bereichert viele Kartenleger, weil es durch seine sehr schönen und von der Tradition abweichenden Darstellungen neue Facetten aufzeigen kann.

 

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