Online-Magazin
Aus der Welt der Esoterik

Das Druiden-Tarot

In modernen spirituellen Bewegungen ist die Religion der Kelten von großer Relevanz. Grund hierfür mag vielleicht auch sein, dass die Menschen irgendwann begannen, sich für jene Religionen zu interessieren, die es bereits vor dem Christentum gab, wie eben die Naturreligionen. Grund ist vielleicht auch, dass es bereits im 18. Jahrhundert eine regelrechte „Keltennostalgie“ gegeben haben soll, mit der Folge, dass sich einige für das Druidentum interessierten.

Einen hohen Stellenwert innerhalb der keltischen Kultur nahmen die Druiden ein. Sie waren Magier, Priester, Philosophen, Lehrer, Dichter, Musiker, Mediziner, Astronomen und politische Berater. Und sie besaßen viel Macht, denn sie besetzten die wichtigsten Positionen innerhalb des keltischen Gesellschaftssystems. Sie fungierten teils als Berater von Fürsten. Die Begriffsherkunft von „Druide“ ist umstritten. Einer Ansicht nach basiert das Wort auf den Silben „dru“, was „kräftig“, „dicht“ oder „viel“ bedeutet, und „wids“, was so viel wie „ich sehe“, „ich weiß“ bedeutet. Demnach wäre ein Druide ein „sehr weit Sehender“, ein „sehr viel Wissender“.

Die Menschen, die sich heute „Druiden“ oder „Neodruiden“ nennen, bezeichnen sich zwar spirituell als die direkten Nach fahren der Kelten, haben aber gleichzeitig einen ziemlich freien Götterkult. Das heißt, es ist dem Einzelnen selbst überlassen, welche Göttinnen und Götter er verehrt. Für die Mehrheit der modernen Druiden stehen ohnehin die Rhythmen der Natur im Vordergrund. Gleichzeitig betrachten die Neodruiden das Leben als individuelle Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. Der Respekt vor der Natur gehört genauso dazu wie der Kontakt zu allen sichtbaren und unsichtbaren Wesen.

Druiden Tarot Kartendeck

Die Natur oder die alten Meister der Kelten soll in der modernen Tarotwelt nicht fehlen. Eines davon ist das „Druiden Tarot“ – Autor ist Bepi Vigna, Illustrator ist Severino Baraldi. Beide haben gemeinsam mit anderen Künstlern bereits mehrere Tarotdecks geschaffen. So entstanden unter der Anleitung von Bepi Vigna das „Ufo Tarot“, das „Atlantis Tarot“ und das „Tarot der Geisterwelten“, während Severino Baraldi schon zahlreiche ethnische oder fantastische Tarotdecks illustriert hat, wie etwa das „Ramses-Tarot“, das „Marco-Polo-Tarot“, das „Tarot der Drachen“ und das „Weis(s)e Katzen Tarot“.

Und es sollenam „Druiden Tarot“ noch weitere Künstler mitgewirkt haben, nämlich Giordano Berti, Antonio Lupatelli und Pietro Alligo. Besonders der Einfluss von Antonio Lupatelli ist im „Druiden Tarot“ festzustellen, denn es erinnert auf manchen Bildern sehr stark an Lupatellis „Tarot der Zwerge“, das nicht von jedem Anhänger der Kelten und Druiden begrüßt wird.

Außerdem ist das „Druiden Tarot“ zweifellos etwas für Freunde der Natur oder der alten Naturreligionen und deshalb nicht unbedingt jedermanns Sache. So sind auf den Karten teilweise wilde und bärtige Naturburschen abgebildet, während es sich bei den weiblichen Protagonisten nicht selten um pralle Blondinen handelt.

Wie so oft handelt es sich hier um ein Tarotdeck ohne Buch, weil es offensichtlich für eine zu spezielle Fangemeinde geschaffen wurde: eine Gemeinde, die nicht zwingend eine Anleitung braucht. Dafür ist das kleine Begleitheft zum „Druiden Tarot“ informativ genug, um sich an eine Deutung zu wagen.

 

Aufteilung der Kleinen Arkana

Doch ein paar kleine Eigenheiten hat dieses Deck: Die Karten der Großen Arkana tragen nicht die traditionellen Bezeichnungen, sondern ausschließlich die Namen keltischer Gottheiten und mythologischer Figuren. Bei den Karten der Kleinen Arkana wurden zwar die herkömmliche Aufteilung in vier Elemente und die Betitelungen beibehalten, sie werden allerdings im Booklet in einigen Fällen anders genannt beziehungsweise interpretiert:

  • Die Stäbe entsprechen der Mistel. Hintergrund ist, dass die Mistelpflanze bei den Druiden in vielen Ritualen und bei Krankheiten verwendet wurde. Sie war deshalb von großer Wichtigkeit.

  • Die Reihe der Kelchkarten blieb unverändert und wurde nicht unbenannt. Aber der Schwerpunkt liegt in der Funktion des Kelches als Ritualgegenstand, nicht – wie man es aus der Überlieferung kennt – auf menschlichen Emotionen.

  • Die Münzen heißen „Anguinum“. Das Anguinum war ein ovaler, eiförmiger Talisman der Kelten, der in vielen Ritualen als Amulett verwendet wurde. Die Bedeutung entspricht der traditionellen Interpretation der Münzen.

  • Die Schwertkarten blieben im Booklet sowohl in puncto Bezeichnung als auch in puncto Bedeutungsinhalt unverändert.

Bedeutung der Karte "Dagda" im Druiden Tarot

„Der Herrscher“ (IV) wird häufig als ein alter, weiser Mann aufgefasst, dem die natürliche Autorität und Erfahrung anzusehen ist. Etwas anders sieht „Der Herrscher“ im „Druiden Tarot“ aus: Er heißt hier „Dagda“, was so viel wie „der Mächtige“ oder „Guter Gott“ heißt und auf den Namen eines Gottes aus der irischen Mythologie zurückgeht.

Dagda war Sohn und Geliebter der Erdmutter „Dana“ (auch „Danu“ genannt) und Feenkönig; er galt als „Allvater“ und war zuständig für Recht und Ordnung sowie Gesetz, was der traditionellen Bedeutung entspricht. Dagda wird gelegentlich „Ruadh Rhofessa“ genannt, was ungefähr mit „Der Rothaarige mit viel Wissen“ übersetzt werden kann. Tatsächlich ist Dagda im „Druiden Tarot“ als stämmiger Mann mit einem langem roten Bart und riesengroßer Nase dargestellt.

Die Keule, mit der Dagda oft abgebildet wird, fehlt. Dafür ist sein linker Arm auf ein großes Rad aus Eisen gestützt, während seine rechte Hand auf der Umhängetasche ruht, aus der eine kleine Harfe beziehungsweise Leier hervorschaut – möglicherweise eine Anspielung auf den Feenkönig. Dass er Herrscher ist, darauf deutet die Krone über seiner Kapuze. Dass an seinem Gürtel ein großer Hammer an einer Schnur befestigt ist, scheint ihn nicht zu stören.

Selbst wenn Dagda auf dieser Karte wild und wenig kultiviert erscheint – er trägt lediglich ein längeres Hemd plus einen kurzen Kapuzenumhang; die Füße stecken in Fellschuhen –, entspricht die Kartenbedeutung trotzdem der ursprünglichen Überlieferung. Die Stichwörter im Booklet lauten „Sicherheit“ und „Erreichen der eigenen Ziele“.

Wird „Dagda“ also gezogen, dann kann er bei Fragen zum Thema Liebe und Partnerschaft zweierlei meinen: Zum einen steht er für die Etablierung und Festigung einer Beziehung, zum anderen ist er nicht unbedingt ein Sinnbild für die Emotionen, sondern vielmehr für den Realitätssinn. Deshalb kann er sehr häufig auch Ernüchterung und Abkühlung der Gefühle anzeigen. Welche Bedeutung tatsächlich zutrifft, lässt sich aus dem Fragehintergrund beziehungsweise aus dem übrigen Kartenbild herleiten.

Beim Thema Beruf und Karriere stellt „Dagda“ Verantwortung und Erfüllung von Pflichten oder Ehrgeiz und Verwirklichung von Zielen dar.

 

Bedeutung der Karte "Die Liebenden" im Druiden Tarot

Bei der Karte „Die Liebenden“ (VI) handelt es sich um eine der ansprechendsten Karten aus dem „Druiden Tarot“. Sie weicht stark von der traditionellen Symbolik ab: Eine junge Frau und ein junger Mann sitzen auf zwei fiegenden Schwänen und fassen sich dabei lachend an den Händen. Unterhalb von ihnen befndet sich ein See, im Hintergrund sind eine kleine Hütte auf einem Felsvorsprung sowie ein Wald zu sehen.

Bei den Kelten galten Schwäne als Sinnbild für die Liebe und für Schönheit, Anmut und Tugendhaftigkeit. Im „Druiden Tarot“ hat diese Karte wie alle anderen der Großen Arkana einen andere Bezeichnung: Sie heißt „Midir – Etain“, zwei Namen aus der alten irischen Sage „Das Werben um Étaín“, in der Midir, der übrigens Sohn von Dagda ist, sich Étaín als Zweitfrau und Geliebte nimmt, worauf sie von Dagdas erster Frau Fúamnach gehasst und verfolgt wird. Immer wieder verwandelt Fúamnach die Rivalin Étaín mithilfe von Druidenzauber in verschiedene Tiere – zuletzt in eine Fliege. Doch die Geschichte hat ein gutes Ende: Étaín wird von einer Frau verschluckt und von ihr als Mensch wiedergeboren. Sie wird das schönste Mädchen von Irland und heiratet schließlich den Hochkönig Eochaid Airem, der sie auf sein Schloss bringt.

Aber Midir begegnet seiner Étaín wieder und verliebt sich erneut in sie – und in einem Spiel gegen Eochaid gelingt es ihm, sie zu gewinnen. Midir und Étaín fiegen letztendlich zusammen als Schwanenpaar davon.
Die Deutung dieser Karte ist im Booklet gewohnt knapp, Stichpunkte wie „Freundschaft“ oder „Leidenschaft“ sind genannt. Außerdem ist von „zu bestehenden Prüfungen“ und „Kontrasten“ die Rede. Was auf den ersten Blick als sehr eigenwillige Interpretation erscheint, ist eigentlich nur eine weitere traditionelle Bedeutung dieser Karte: Neben den Entscheidungen, die von Herzen getroffen werden, dreht es sich bei „Die Liebenden“ nämlich auch um die Überwindung von Gegensätzen, die die Sage von Midir und Etain recht anschaulich widerspiegelt.

Wird diese Karte gezogen, weicht sie also in Hinsicht auf den Bedeutungsinhalt nicht sehr von den überlieferten Aussagen ab: In Liebes- und Partnerschaftsfragen repräsentiert sie für alle Phasen der Liebe. Das Deutungsspektrum reicht von der ersten Verliebtheit, bei der das Ende noch offen ist, bis hin zu einer Beziehung, die stabil ist und zu der sich der Ratsuchende aus vollem Herzen bekennt. Eine Garantie für die große Liebe ist diese Karte allerdings nicht – wie sich die Angelegenheit entwickelt, zeigt das restliche Kartenbild auf. In Job- und Karrierefragen geschreiben „Midir – Étaín“ eine Tätigkeit, die der Fragesteller bejaht und gern ausführt. Die Karte kann zudem ankündigen, dass er sich von ganzem Herzen für eine neue Tätigkeit entscheidet. Oder er begegnet berufichen Schwierigkeiten und Widersprüchen konstruktiv; er kann sie überwinden.

Bedeutung der Karte "Fünf der Kelche" im Druiden Tarot

Kommen wir zu einer Karte aus der Reihe der Kleinen Arkana: Die „Fünf der Kelche“ wurde sehr originell gestaltet, auch wenn es sich ursprünglich um eine „weniger gute“ Karte handelt. Auf dem Bild ist das Innere eines Brunnens zu sehen. Einer der vier oben an der Brunnenmauer stehenden Männer versucht, mithilfe eines Kelchs, der an einer Schnur befestigt ist, Wasser zu schöpfen – was offensichtlich nicht so ganz gelingen will.

Es bleibt fraglich, ob er es schaffen wird. Traditionell hat die „Fünf der Kelche“ mit Enttäuschung und Krisen zu tun. Die im Booklet aufgeführten Beschreibungen haben auf den ersten Blick mit den Interpretationen aus der Überlieferung kaum Gemeinsamkeiten und erfordern viel Gespür für die Bildsprache. So ist dort von „Rückkehr zur Vergangenheit“, von „Seelenruhe“, vom „Ende der Sorgen“ und von „zwielichtigem Umgang“ die Rede.

Die erwähnte „Rückkehr zur Vergangenheit“ wird augenscheinlich durch das Wasser innerhalb des Brunnens angedeutet, das eine Art Urquelle für alle und demzufolge eine Rückkehr darstellt. Die „Seelenruhe“, die die Karte beschreibt oder zu der sie auffordert, offenbart der angeseilte Kelch: Es ist Umsicht und Fingerspitzengefühl vonnöten, um ihn füllen zu können.

Ein „Ende der Sorgen“ wird möglicherweise in Aussicht gestellt, wenn das Schöpfen endlich gelingt. Und der „zwielichtige Umgang“  könnte durch die drei Männer repräsentiert sein, die den Handelnden beobachten. Es ist nicht klar, ob sie Leidensgenossen oder Täter, also selbst für diese schwierige Situation verantwortlich, sind.

Erscheint die „Fünf der Kelche“ in einer Legung, ist der Hilfesuchende aufgefordert, zur Einfachheit zurückzukehren, weil er zum Beispiel zu hohe Ansprüche hat.  Ebenfalls kann die Karte anzeigen, dass jetzt nichts überstürzt werden sollte. Ganz im Gegenteil: Die Situation verlangt Ruhe und Konzentration auf das Wesentliche. Erst wenn die erforderliche Geduld und Bescheidenheit erreicht sind, ist mit Gelingen zu rechnen. Das gilt für alle Fragen des Lebens.

Bedeutung der Karte "Königin der Münzen" im Druiden Tarot

Eine Karte aus der Reihe der Hofkarten - die „Königin der Münzen“. Auf ihr ist eine junge blonde Frau zu sehen, die vor einer Feuerstelle sitzt, über der ein Kessel hängt. Bezogen auf die damaligen Verhältnisse handelt es sich offensichtlich um eine sehr wohlhabende Frau, denn sie trägt ein langes blaugrün kariertes Kleid samt Gürtel und einen weinroten Umhang. In ihrer linken Hand hält sie ein Anguinum. Sie blickt den Betrachter keck an. Im Vordergrund befndet sich eine große goldene Karaffe, die einem Pokal ähnelt.

Die „Königin der Münzen“ verkörpert traditionell eine bodenständige und tüchtige Frau; nicht selten steht sie deshalb für die verlässliche, aber auch sinnliche Partnerin oder die Geschäftsfrau. Im „Druiden Tarot“ ist ihre Rolle ähnlich. Im Begleitheft wird von einer „reifen Frau“ gesprochen.

Darüber hinaus folgen Stichwörter wie „Liebesleidenschaft“ sowie – wenn es um die Schattenseiten dieser Karte geht – „Neid“ und „Habsucht“.

Taucht die Karte also in einer Legung zum Thema Liebe oder Beziehung auf, versinnbildlicht die „Königin der Münzen“ die treue und zuverlässige Partnerin. Sie kann allerdings ebenso eine Begleiterin meinen, die gern „klammert“ und nicht sehr offen ist für Veränderungen. Beim Thema Beruf und Karriere repräsentiert die „Königin der Münzen“ die tüchtige, manchmal verbissen ehrgeizige Geschäftspartnerin oder Kollegin, auf die gezählt werden, die jedoch mitunter stur und genusssüchtig sein kann.

 

Lernen Sie mehr Tarotdecks kennen:

► Das Crowley Tarot

► Rider-Waite Tarot

► Das Druiden Tarot

► Das Goldene Botticelli Tarot

► Das Etruskische Tarot

► Das Zauberwald Tarot

► Das China Tarot

► Das Barocke Böhmische Katzen Tarot

► Das Bohemian Gothic Tarot

► Das Tarot Favole

► Das Neuzeit Tarot

► Das Renaissance Tarot

Login für Kunden  |  Registrierung für Neukunden  |  Neu bei viversum?  |    |  Meine Beratungen
Hier finden Sie eine Liste Ihrer zuletzt besuchten Beraterprofile.