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Aus der Welt der Esoterik

Das etruskische Tarot

Der Mittelmeerraum vor 3.000 Jahren. Dort lebten die Etrusker, eines der größten Völker der Antike. Nicht nur einflussreich und prägend, sondern auch ausgesprochen lebenslustig sollen sie gewesen sein, wie anhand ihrer Hinterlassenschaften vermutet wird. Grabkammern sind die einzigen sichtbaren Spuren.

Doch diese waren mit kunstvoll-lebendigen Wandmalereien und luxuriösen Grabbeigaben ausgestattet. Somit ist es nicht verwunderlich, wenn es in der heutigen Fülle an erhältlichen Kartendecks auch Tarotkarten gibt, die das Leben der Etrusker thematisieren.

Wer waren die Etrusker?

Auf den Fresken und Wandbildern, die sie gestaltet haben, sind die Aspekte Lebensgenuss und Frivolität zu erkennen. Der wertvolle Terrakottaschmuck sowie die Alabasterstatuen in den großzügig ausgestatteten Gräbern bezeugen den damaligen Wohlstand und Reichtum. Manche Historiker sprechen von einem übertriebenen Luxus der Etrusker, von einem Volk, das sich Sklaven hielt und sich mindestens zweimal am Tag üppige Mahlzeiten auf Silbergeschirr, das auf gestickte Decken gestellt wurde, auftischen ließ.

Hinsichtlich der Herkunft der Etrusker sind sich die Geschichtsforscher nicht einig. Einigen antiken Überlieferungen zufolge kamen die Etrusker aus Kleinasien an die toskanische Küsten. Andere Wissenschaftler wiederum sind davon überzeugt, dass es sich bei den Etruskern um die Ureinwohner Italiens handelt, die aufgrund ihres erstarkten Einflusses irgendwann in das Licht der Geschichte gelangten. So gut wie unerforscht ist die etruskische Sprache. Bislang konnten insgesamt nur 200 Wörter entschlüsselt werden. Das hängt damit zusammen, dass nur wenige längere Schriftstücke überliefert sind.

Sich selbst nannten die Etrusker „Rasenna“. Sie beherrschten von circa 1.000 bis 390 v. Chr. zusammen mit den verbündeten Karthagern den gesamten westlichen Mittelmeerraum. Etwa im 6. Jahrhundert v. Chr. waren sie auf dem Höhepunkt ihrer Macht angelangt: Sie besaßen die Vorherrschaft über Rom und weitere Städte des Römischen Reichs. Dabei hatten sie großen Einfluss auf die römische Kultur. So sollen die Römer von den Etruskern beispielsweise Herrschaftsabzeichen und die Gladiatorenspiele übernommen haben. Prägend waren die Etrusker davon abgesehen in der Architektur, Metallverarbeitung und Goldschmiedekunst.

In religiöser Hinsicht wurden die Etrusker während der Antike ebenfalls berühmt, und zwar hauptsächlich wegen ihrer „Disciplina etrusca“: der etruskischen Lehre von der Interpretation göttlicher Signale und vom richtigen Umgang mit der Welt der Götter. Zu dieser Lehre gehörten unter anderem die Deutung von Vogelflügen und die sogenannte Leberschau.

Sowohl die Religion als auch die Kultur der Etrusker war sehr vom Griechenland des Altertums gefärbt. Denn beide Völker trieben regen Handel miteinander. Der wirtschaftliche und politische Niedergang der Etrusker vollzog sich allmählich: Mit dem Beginn der römischen Republik im 5. Jahrhundert v. Chr. wurden die Etrusker aus Rom vertrieben. Ihre Unabhängigkeit verloren haben sie bis 40 v. Chr.

 

Die Etrusker im Tarot

Das Deck entstand unter der Anleitung des italienischen Autors und Tarotkundigen Riccardo Minetti. Die Künstlerin Silvana Alasia setzte die Idee grafisch um. Dabei wurden die Bilder und Motive farbgetreu von etruskischen Wandgemälden und Vasen übernommen. Einige Bilder wurden geringfügig abgewandelt, um sie der Struktur des Tarots anzupassen oder um die Symbolik verständlicher zu machen.

Auf den ersten Blick mag das „Etruskische Tarot“ ein wenig fremd und ungewohnt anmuten – zumindest für jene Kartenleger, die sich vorher nicht mit der Antike oder ethnischen Kartendecks auseinandergesetzt haben. Doch Aufbau und Struktur dieses Decks entsprechen traditionellen Tarotdecks (was nicht bei allen Kartendecks selbstverständlich ist), obgleich vereinzelte Karten sehr stark von den überlieferten Tarotmotiven abweichen.

Deutung des etruskischen Tarots

Ein äußerst anschauliches Beispiel hierfür liefert die Karte „Der Gehängte“ (XII). Darauf ist ein Krieger zu sehen, der einen verletzten, bewusstlosen oder toten Mann über seiner rechten Schulter trägt. Ob er den Mann besiegt hat oder ihm helfen will, ist nicht ersichtlich. Aber augenscheinlich geht es bei dieser Karte um Opfer oder Verlust.

Wie bei allen Decks gibt es zum „Etruskischen Tarot“ ebenfalls ein Booklet mit Erläuterungen zu den Karten. Konkrete Deutungsvorschläge sind darin nicht zu finden. Die Beschreibung der einzelnen Bilder lässt demzufolge viel Raum für eigene Assoziationen und Interpretationen.

 

„Der Gehängte“ im etruskischen Tarot

„Ich blicke auf meine Vergangenheit zurück“, heißt es zur Karte „Der Gehängte“ nur. „Ein Krieger transportiert einen nackten, verletzten Gefährten nach dem Kampf weit weg vom Schlachtfeld“, wird das Bild erklärt. Zunächst mag dies eine eher eigenwillige Beschreibung einer Karte sein, die traditionell mit einem unfreiwilligen Stillstand in Verbindung gebracht wird. Doch bei näherem Betrachten lässt sich feststellen, dass „Der Gehängte“ aus dem „Etruskischen Tarot“ gleichfalls die typische Hilflosigkeit des Gehängten, wie wir sie aus anderen Kartendecks kennen, sowie die damit verbundene Aufforderung zum Umdenken, anzeigt: Aufgrund des Opfers, das durch den Verlust bei der Schlacht dargebracht werden musste, ist auch eine Änderung der Perspektive notwendig. Taucht „Der Gehängte“ in einer Legung auf, dann kündigt er Verzicht und Stagnation an. Er ist ein Hinweis darauf, dass sich eine Angelegenheit nicht so entwickelt, wie es sich der Ratsuchende erhofft hat. Hintergrund dieser Zwangspause ist es, etwas aufzugeben und den bisherigen Standpunkt zu ändern.

 

Deutung der Karte "Das Gericht"

Die Karte „Das Gericht“ (XX) aus dem „Etruskischen Tarot“ weicht ebenfalls sehr von traditionellen Illustrationen und Symbolen ab – allerdings ohne etwas von ihrer Grundbedeutung einzubüßen. Der Text im Booklet klingt nicht sonderlich vielversprechend, denn die Affirmation gleich zu Anfang lautet: „Ich bin am Ende.“ Und weiter heißt es in der Bildbeschreibung: „Ein nackter Mann ist an einen Baum gebunden, während ihn eine Priesterin in Erwartung eines Zeichens der Götter bewacht. Ein Götterbote kommt, um Heil oder Verdammung zu bringen.“ Wichtig in der Erläuterung ist also der letzte Satz, der – wie es zudem aus Überlieferungen zu dieser Karte bekannt ist – einen Abschluss ankündigt, der gleichzeitig einen Neuanfang in sich birgt. Um die Karte „Das Gericht“ im Detail zu verstehen, ist es ratsam, ihren archetypischen Hintergrund zu beleuchten: Traditionell repräsentiert sie den jüngsten Tag, der im „Etruskischen Tarot“ durch den fliegenden Götterboten gekennzeichnet wird. Er kündigt ein Ende an und besagt gleichzeitig, dass die Themen des Fragestellers überprüft und beurteilt werden.

In der traditionellen „Reise des Helden“ der Großen Arkana des Tarot handelt es sich hier um die vorletzte Karte. Den Helden, der einst als Narr aufgebrochen ist, um ein großes Werk zu vollbringen, erwartet eine letzte Prüfung: Er hat noch einmal die Gelegenheit, seine guten Absichten zu bekräftigen oder seine Mission zu verkünden. Unehrlichkeit oder zweifelhafte Vorhaben kommen spätestens bei dieser Station ans Licht und werden entsprechend transformiert. So versinnbildlicht „Das Gericht“ in gewisser Weise eine Hoffnung, die alle Menschen hegen: nämlich den Glauben daran, dass es Gerechtigkeit gibt – selbst wenn sie sich nicht immer gleich offenbart. Erscheint diese Karte in einer Legung, kann der Hilfesuchende damit rechnen, dass Befreiung naht. Ob sie für ihn Erlösung oder Verzicht ist, hängt vom Fragethema und von der Motivation und Aufrichtigkeit des Fragenden ab. Alles Überflüssige oder Lästige wird er los – unabhängig davon, ob er dies begrüßt oder nicht –, während alles, was verloren zu sein schien, an die Oberfäche befördert werden kann.

 

"Zehn der Münzen" und „Neun der Münzen“ richtig deuten

Dagegen handelt es sich bei der „Zehn der Münzen“ um eine sehr „sprechende“ Karte. Sie wird herkömmlich als die Karte des Reichtums und der Sicherheit gedeutet. Im „Etruskischen Tarot“ verhält es sich ähnlich. Auf dem Bild ist eine junge Frau zu sehen, die offensichtlich wohlhabend ist. Sie trägt üppigen Haarschmuck und in den Händen hält sie eine Perlenkette, die sie betrachtet. Die zehn Münzen sind in zwei Gruppen angeordnet: Die ersten fünf Münzen befinden sich unterhalb des Bildes. Sie zieren die Hauswand und stellen im übertragenen Sinn eine Art Fundament dar. Denn sie weisen auf eine stabile und fruchtbare Situation hin. Die anderen fünf Münzen befinden sich oberhalb der jungen Frau und repräsentieren somit den Reichtum, der die Frau umgibt.

Taucht diese Karte in einer Legung auf, verspricht sie jedoch nicht nur Geld und materielle Sicherheit – sie kann auch eine bereichernde Situation oder beglückende Erfahrung ankündigen. Die „Zehn der Münzen“ ist außerdem ein Hinweis auf Stabilität, was bedeutet, dass sie ebenso anzeigen kann, dass etwas sicher ist und auf solider Basis steht. Sie macht zudem klar, dass die höchste Fülle innerhalb einer Situation erreicht ist und es diesbezüglich keine Steigerung mehr geben kann – mehr Wohlstand geht nicht.
Die Kartenbeschreibung im beiliegenden Booklet ist knapp: „Eine Dame betrachtet eine wertvolle Halskette, die ihr Ehemann ihr geschenkt hat, und denkt dabei an ihn.“ Diese Aussage bestätigt sehr anschaulich, dass es sich nicht nur um materiellen, sondern auch ideellen Reichtum handelt.

Häufg werden die „Zehn der Münzen“ und die „Neun der Münzen“ miteinander verwechselt, und zwar unabhängig vom verwendeten Kartendeck. Nicht wenigen Kartenlegern fällt es schwer, die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Karten herauszuarbeiten beziehungsweise in Worte zu fassen.

So werden die „Zehn der Münzen“ und die „Neun der Münzen“ gemeinhin als günstige Gelegenheit interpretiert, ebenso signalisiert jede der Karten in gewisser Weise Wohlstand und schöne Erfahrungen.

Im „Etruskischen Tarot“ wurden sie unterschiedlich gestaltet: Während in traditionellen Decks auf der „Neun der Münzen“ grundsätzlich eine weibliche Person zu sehen ist, ist hier erstmals ein Mann abgebildet. Im Booklet heißt es zu dieser Karte kurz und bündig: „Ein reicher Mann bereitet sich auf ein Fest in seinem Haus vor.“

Allein durch die Beschreibung der Szene wird bereits ein Unterschied deutlich: Auf der „Zehn der Münzen“ betrachtet eine Frau ihren Schmuck, den sie von ihrem Mann bekommen hat. Dadurch wird materieller und emotionaler Reichtum signalisiert. Die „Neun der Münzen“ hingegen meint einen besonderen Anlass. Ebenso weist sie auf Wohlstand und Reichtum hin, der sich allerdings erst anbahnt oder noch nicht ganz ausgekostet wird. Darum kann der Unterschied zwischen beiden Karten wie folgt zusammengefasst werden: Während es bei der „Zehn der Münzen“ um Sicherheit und Reichtum geht, drückt die „Neun der Münzen“ Besserung und Lohn für Bemühungen aus. Letzteres kann sich auf vielerlei Art und Weise äußern. Zum Beispiel – wie auf der „Neun der Münzen“ im „Etruskischen Tarot“ auch angedeutet – durch ein Fest, bei dem die Beteiligten das Erreichte feiern, oder durch eine plötzliche Belohnung oder unerwartete Besserung.

Der tanzende Mann auf der „Neun der Münzen“ trägt ein üppiges Gewand und scheint sich an den Münzen, von denen er umgeben wird, zu erfreuen. Wenn diese Karte in einer Legung gezogen wird, dann sollte der Ratsuchende sich ruhig etwas (zu-)trauen: Er darf mit einer positiven Entwicklung, vielleicht sogar Überraschung rechnen. Die „Neun der Münzen“ gehört zu den wenigen Karten, die selten gleichzeitig eine Warnung beinhalten. Das ist etwa der Fall, wenn sie sich in einer Legung auf einer Position befindet, auf der Auskunft darüber gegeben wird, was der Ratsuchende vermeiden sollte. Doch im Grunde genommen verrät sie, dass eine bestimmte Situation für den Fragenden günstiger ist, als er angenommen hatte.

 

„Sieben der Schwerter“ im etruskischen Tarot

Die „Sieben der Schwerter“ gehört zu jenen Karten, die hauptsächlich als Warnung verstanden werden. Deshalb wird sie meist in erster Linie als herausfordernde, wenn nicht sogar schwierige Karte interpretiert. Die Erläuterungen zur Karte im Booklet zum „Etruskischen Tarot“ beinhalten wie üblich nur eine Bildbeschreibung, aber die Botschaft ist sehr deutlich: „Eine Frau versteckt einen Dolch und ihr Gesicht hinter einem Schleier.“ Um sie herum sind sieben Schwerter zu sehen, wobei sich eins vom Betrachter aus links und eins rechts von ihr befindet. Das vermittelt den Eindruck, als habe die Frau Grenzen abgesteckt, als wolle sie niemanden an sich heranlassen. Traditionell meint diese Karte tatsächlich eine ausweichende oder verborgene Haltung. Gelegentlich kann sie sogar einen Betrug anzeigen. Erscheint die „Sieben der Schwerter“ in einer Legung, warnt sie den Fragesteller vor Unehrlichkeit oder Diebstahl. Das gilt für alle Lebensbereiche. Dabei lässt die Karte allerdings offen, ob der Hilfesuchende Täter oder Opfer ist oder einfach „nur“ Selbstbetrug betreibt – dies lässt sich aus dem Fragehintergrund und/oder den umliegenden Karten ableiten.

 

Bedeutung der Karte „Acht der Stäbe“

Auf der „Acht der Stäbe“ ist ein Mann zu sehen, der augenscheinlich ins Leere springt und dabei von acht fliegenden Stäben umgeben ist. In gewohnter Knappheit heißt es im beiliegenden Booklet einfach nur: „Der Kunstspringer“.

Traditionell steht diese Karte für gute Schwingungen sowie für eine schnelle Entwicklung. Wird sie in einer Legung gezogen, kündigt sie normalerweise an, dass eine Angelegenheit einen raschen, eventuell unerwarteten Verlauf nimmt. Das können plötzliche Nachrichten oder neue Perspektiven sein, bei denen gleichzeitig Flexibilität oder Improvisationstalent gefragt ist. Darüber hinaus verweist die „Acht der Stäbe“ aus dem „Etruskischen Tarot“ auf eine Art Mutprobe, die im herkömmlichen Sinn meist als ein Sprung ins kalte Wasser verstanden wird. Wer sich auf dieses Wagnis einlässt und sich dabei anpassungsfähig zeigt, dem verspricht die „Acht der Stäbe“ eine erfreuliche und bereichernde Entwicklung.

 

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