Online-Magazin
Aus der Welt der Esoterik

Kassandraruf, Kaffeedomantie und Nekromantie

In unserer „Info-Ecke“ geht es in diesem Monat zum letzten Mal ums Thema Wahrsagen. Nachdem Sie im letzten Teil mit Jeane Dixon und Erik Jan Hanussen bereits zwei berühmte Hellseher kennengelernt haben, stellen wir Ihnen jetzt die Seherin Kassandra vor. Lesen Sie im Anschluss daran Interessantes über zwei spezielle Formen des Wahrsagens, nämlich die Kaffeedomantie und die Nekromantie.

Kassandra – eine berühmte Seherin in der griechischen Mythologie

Kassandra ist die Tochter des Königs Priamos und dessen Frau Hekabe. Homer beschreibt sie als ebenso schön wie Aphrodite. Daher ist es wenig verwunderlich, dass sich Apollon, der Gott der
Weissagung, in sie verliebt. Um sie zu beeindrucken, schenkt er ihr die Gabe treffsicherer und genauer Prophezeiungen. Da Kassandra jedoch kein Interesse daran hat, seine Geliebte zu werden, belegt der verschmähte Apollon sie mit dem Fluch, dass niemand ihren Voraussagen glauben wird.
Somit wird sie zur tragischen Figur, welche die Menschen vergeblich vor ihrem Unglück warnt. Beispielsweise weissagt sie das Trojanische Pferd, diese Hinterlist der Griechen, mit der diese schließlich Troja erobern. Doch weder der König von Troja noch seine Untertanen schenken ihr Glauben. Auch ihren eigenen Tod sieht Kassandra voraus: Nach dem Fall Trojas wird sie vom Eroberer Agamemnon, dem König von Mykenä, als Sklavin nach Mykenä verschleppt sowie anschließend von dessen Frau Klytämnestra erdolcht.

Kassandraruf

Mit dem nach ihr benannten Ausdruck Kassandraruf wird eine Warnung bezeichnet, die fatalerweise ignoriert wird. Die von Kassandra geäußerten Prophezeiungen wurden von ihrem Umfeld in den Wind geschlagen, bewahrheiteten sich zum Unglück der Gewarnten allerdings. Ein Beispiel für einen solchen Kassandraruf ist die Weissagung der Hellseherin Jeane Dixon, die John F. Kennedy vor
einem Anschlag zu warnen versuchte.

Kaffeedomantie – Wahrsagen mithilfe des Kaffeesatzes

Das Lesen des Kaffeesatzes geht wahrscheinlich auf das Lesen der Teeblätter zurück, welches im asiatischen Raum, vor allem in Japan, praktiziert wurde. Dazu wurden die Bewegungen der Teeblätter in der Kanne oder Tasse beobachtet. Nach Europa gelangte die Kunst der Kaffeedomantie erst relativ spät. Erstmals schriftlich erwähnt wurde sie im 17. Jahrhundert vom italienischen Wahrsager Thomas Tamponelli. Besonders bei älteren Damen im süd(ost)europäischen Raum ist das Lesen des Kaffeesatzes ein beliebtes Hobby. Denn dort wird noch Mokka, also ungefilterter Kaffee getrunken, der sich im Gegensatz zum bei uns gebräuchlichen Filterkaffee besser zum Kaffeesatzlesen eignet. Er wird nämlich direkt in der Tasse aufgebrüht, sodass sich das Kaffeepulver anschließend auf dem Tassenboden absetzt.

Bei der Kaffeedomantie gibt es viele unterschiedliche Methoden. Häufig wird der Kaffee vorsichtig getrunken und das am Tassenboden verbleibende Kaffeepulver durch Schwenken der Tasse am Rand verteilt. Anschließend können die Figuren, die sich am Tassenrand gebildet haben, gedeutet werden. Dabei werden den verschiedenen Formen des Kaffeesatzes symbolische Bedeutungen zugeschrieben, aus denen die Zukunft des Trinkenden gelesen wird. Bei einer anderen Variante wird der Kaffee vorsichtig aus der Tasse gegossen und letztere umgedreht auf ihren Unterteller gestellt. Sobald der Kaffeesatz auf den Teller gelaufen ist, werden die entstandenen Muster auf dem Teller oder am Rand der Tasse interpretiert.

Nekromantie – Wahrsagen mithilfe der Toten

Der Begriff Nekromantie geht auf das griechische Wort nekromanteía („Totenbeschwörung“) zurück, welches sich zusammensetzt aus den Wörtern nekros („Toter“) und mantis („Wahrsager“) bzw. manteía („Weissagung“). Er bezeichnet die Weissagung durch Toten- oder Geisterbeschwörung, auch Totenorakel genannt. Bevor dieses Orakel durchgeführt, der Tote also befragt werden kann,
muss man ihn beschwören. Das Ziel der Geisterbeschwörung ist es daher, Kontakt zu einem Verstorbenen aufzunehmen, um von diesem allwissenden Toten einen Rat für oder Wissen über die Zukunft bzw. das Jenseits zu bekommen. Die Nekromantie gründet demnach auf der Annahme, dass die Verstorbenen bzw. deren Seelen nach dem Tod weiterexistieren.

Berühmte Fälle von Nekromantie

Beispielsweise erweckt Odysseus im elften Buch der „Odyssee“ den Geist des Sehers Teiresias. Auch in der Bibel findet sich ein Beispiel für Nekromantie. So lässt König Saul den Schatten Samuels durch eine Zauberin von Endor aus dem Totenreich heraufbeschwören (1. Samuel 28, 7ff.).

Methoden der Nekromantie

Im Mittelalter zählte die Nekromantie neben verschiedenen anderen prognostischen und magischen Techniken zu den Artes magicae, die neben den Artes liberales, den sieben freien Künsten, sowie den Artes mechanicae, den praktischen Künsten, Bestand hatten. Der Gelehrte Agrippa von Nettesheim unterschied Anfang des 16. Jahrhunderts zwischen zwei Unterarten der Nekromantie: Bei der Skiamantie, der psychischen Anrufung der Toten, erscheint ein Schattenbild des Toten, das befragt werden kann. Bei der Nekyomantie hingegen wird versucht, die Toten physisch wiederzubeleben und damit aus ihren Gräbern zu erwecken. Für diese Wiederbelebung ist meist Tierblut vonnöten. Dieses soll den Wiedergängern die nötige Kraft geben, um dem Fragenden Rede und Antwort zu stehen. Dieses Vorgehen wird oft im Zusammenhang mit dem Voodoo erwähnt und zur schwarzen Magie gezählt. Nettenheims Zeitgenosse Paracelsus stellte übrigens sogar fünf verschiedene Formen der Nekromantie auf: cognitio mortalium spirituum, tortura noctis, meteorica vivens, clausura nigromantica und obcoecatio nigromantica.

Login für Kunden  |  Registrierung für Neukunden  |  Neu bei viversum?  |    |  Meine Beratungen
Hier finden Sie eine Liste Ihrer zuletzt besuchten Beraterprofile.