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Was dein inneres Kind noch draufhat

Am Weltkindertag denken wir an die Kleinen – und vielleicht auch daran, wie wir selbst einmal waren. Wie wir laut gelacht haben, wenn etwas lustig war. Wie wir einer Idee gefolgt sind, einfach weil sie uns gefiel. Wie ein Nachmittag sich endlos anfühlen konnte, weil es wichtiger war, eine Schnecke zu beobachten, als pünktlich zum Abendessen nach Hause zu kommen.

Mit dem Erwachsenwerden verändert sich das. Wir lernen, uns zusammenzunehmen, Rücksicht zu nehmen und vernünftig zu handeln. Wir lernen aber auch, Gefühle zu verstecken, Erwartungen zu erfüllen und nicht anzuecken. Vieles davon ist wichtig. Doch manchmal bleibt dabei etwas auf der Strecke: die ungefilterte Freude, die Neugier und das Gefühl, ganz bei sich zu sein.

Wann hast du angefangen, dich selbst zu bremsen?

Ein Kind lacht, wenn ihm nach Lachen ist. Es weint, wenn etwas weh tut. Es sagt, dass es etwas nicht mag, und kann sich mit großer Begeisterung auf etwas stürzen, das gerade seine Aufmerksamkeit fesselt. Wir Erwachsenen haben dagegen gelernt, unsere Reaktionen zu kontrollieren. Wir lächeln höflich, obwohl uns etwas verletzt. Wir sagen „Ist schon okay", obwohl es das ganz und gar nicht ist. Wir halten eine Idee lieber zurück, weil sie vielleicht albern klingt. Und wenn uns etwas wirklich glücklich macht, überlegen wir manchmal sogar, ob wir uns darüber gerade zu sehr freuen.

In jedem dieser Momente drosseln wir uns selbst ein kleines Stück. Die Rechnung dahinter ist simpel: Wer seine Freude dämpft, ist nicht so stark enttäuscht, wenn es anders kommt. Wer eine Idee lieber für sich behält, riskiert keine Zurückweisung. Wer Verletzendes weglächelt, muss sich nicht auch noch mit dem Konflikt auseinandersetzen. Genau das hat uns schon oft vor Enttäuschung, Ablehnung oder Verletzung bewahrt. Das Problem beginnt erst, wenn aus einem Schutz, der einmal sinnvoll war, eine dauerhafte Grenze wird. Dann halten wir nicht mehr nur das zurück, was uns schaden könnte. Sondern auch das, was uns lebendig macht.

Dein inneres Kind ist nicht verschwunden

Das innere Kind ist kein kleiner Mensch, der irgendwo in uns darauf wartet, wieder fünf Jahre alt zu werden. Es steht vielmehr für die Seiten von uns, die besonders unmittelbar fühlen: unsere Sehnsucht nach Nähe, unsere Freude am Entdecken, unsere Fantasie, unsere Verletzlichkeit und den Wunsch, einfach so sein zu dürfen, wie wir sind.

Vielleicht kennst du das Gefühl, wenn plötzlich etwas in dir aufleuchtet. Ein Lied läuft im Radio und du musst sofort lächeln. Du siehst etwas, das dich an früher erinnert, und die Leichtigkeit von damals kehrt für einen Augenblick zurück. Du hast eine spontane Idee und bist völlig begeistert davon. Solche Momente sind keine Ausrutscher. Sie sind dein inneres Kind, das kurz durch die Tür lugt, um zu checken, ob noch jemand zu Hause ist.

Manchmal reicht ein herzhaftes Lachen

Wann hast du zuletzt so gelacht, dass du dich kurz nicht mehr darum gekümmert hast, wie du dabei aussiehst? Nicht das freundliche Lächeln, das zu einer Situation passt. Sondern dieses völlig ungebremste Lachen, bei dem irgendwann die Tränen kommen und du am Ende selbst nicht mehr genau weißt, worüber du eigentlich lachst. Solche Momente tun gut, weil für einen Augenblick die innere Kontrolle Pause macht. Du musst nichts darstellen, nichts im Griff haben und niemandem beweisen, dass du dich benehmen kannst.

Auch andere kleine Dinge können diese Tür öffnen: laut zur Musik mitsingen, barfuß durch eine Wiese laufen, spontan tanzen, einfach mal zum Buntstift greifen und drauflosmalen, was dir gerade durch den Sinn geht. Es geht nicht darum, möglichst kindisch zu werden. Es geht darum, wieder zu spüren, was dir Freude macht, bevor dein Kopf entscheidet, ob diese Freude gerade angemessen ist.

Und wenn die Idee ein bisschen albern ist?

Dein inneres Kind hat selten besonders vernünftige Vorschläge. Zum Glück. Es sind meist nicht die großen Lebensentscheidungen, die es dir zuflüstert, sondern die kleinen, im Alltag fast lächerlich wirkenden Ideen: Doch noch die Cornflakes mit dem Comic-Tiger einpacken, weil sie dich anlächeln. Über die Wiese abkürzen, statt brav um die Ecke zu gehen. Und zwar nur deshalb, weil es sich gerade richtig anfühlt.

Der erwachsene Teil in dir wird vermutlich sofort eine Liste liefern: zu kindisch, zu spontan, zu peinlich, was sollen die anderen denken? Du musst diese Stimme nicht zum Schweigen bringen. Aber du solltest ihr auch nicht sofort Glauben schenken. Hör mal in dich hinein – und zwar auf die Stimme, die dich fragt: Was möchtest du eigentlich? Denn es ist dein Leben. Und vielleicht lohnt es sich, deine eigenen Wünsche darin wieder etwas ernster zu nehmen.

Auch die unbequemen Gefühle haben ihren Platz

Das innere Kind leben: Das verbinden wir meist mit dem Gefühl von Leichtigkeit. Es lohnt sich aber, noch einen Schritt weiterzugehen. Denn zu einem Kind gehört nicht nur das Lachen. Auch Wut, Trauer, Angst und Enttäuschung dürfen bei einem Kind erst mal einfach da sein, ganz ohne Erklärung.

Als Erwachsene tun wir uns damit oft schwerer. Vielleicht hast du früh gelernt, stark zu sein. Man hat dir immer wieder gesagt: Stell dich nicht so an! Sei nicht so empfindlich! Fall niemandem zur Last! Solche Sätze können sich tief einprägen. Irgendwann funktionieren wir wunderbar – und merken kaum noch, was eigentlich in uns vorgeht.

Dabei haben gerade diese unbequemen Gefühle einen Sinn: Wut kann dir zeigen, wo eine Grenze überschritten wurde. Trauer macht sichtbar, was dir wirklich wichtig war. Angst will dich manchmal einfach nur schützen. Diese Gefühle verschwinden nicht, nur weil wir sie ignorieren – sie warten geduldig darauf, endlich ernst genommen zu werden. Ein Gefühl bewusst wahrzunehmen, statt es sofort wieder abzuwürgen, ist deshalb keine Schwäche. Es bringt dich im Gegenteil stärker zu dir selbst zurück.

Du musst keine Mauern einreißen

Vielleicht denkst du jetzt: Meine Schutzmechanismen haben mir geholfen. Ich möchte sie nicht einfach loswerden. Das musst du auch nicht. Stell dir deine inneren Grenzen eher wie eine Tür vor. Sie darf geschlossen bleiben, wenn du Schutz brauchst. Aber sie muss nicht rund um die Uhr verriegelt sein. Manchmal tut es gut, die Tür ein kleines Stück weit zu öffnen. Ein ehrliches Das hat mich verletzt. Ein spontanes Ja. Ein ausgelassenes Lachen. Eine Idee, die du nicht sofort zerredest. Ein Nachmittag, an dem du nichts leisten musst. Mit jedem solchen Moment lernst du dich ein bisschen besser kennen. Und vielleicht stellst du dabei fest, dass dein inneres Kind gar nicht darauf gewartet hat, von dir gerettet zu werden. Es wollte nur endlich wieder gehört werden.

Was darf in dir wieder lebendig werden?

Der Weltkindertag kann deshalb mehr sein als ein Anlass, an unsere Kindheit zurückzudenken. Betrachte ihn als kleine Einladung, nach innen zu schauen:

  • Was hast du dir abgewöhnt, weil es nicht vernünftig erschien?
  • Wann bist du stiller geworden, obwohl du eigentlich laut lachen wolltest?
  • Welche Seite von dir bekommt im Alltag zu wenig Platz?

Du musst nicht alles verändern. Vielleicht reicht heute schon ein einziger kleiner Moment: die Musik beim Kochen einfach etwas lauter drehen. Oder auf dem Heimweg bewusst die schönere statt die schnellere Strecke wählen. Kein großer Plan, nur ein kleiner Beweis dafür, dass du noch da bist. Denn erwachsen zu sein bedeutet nicht, das Kind in dir hinter dir zu lassen. Es bedeutet, selbst zu entscheiden, wann du vernünftig sein willst – und wann du einfach mal wieder loslachen möchtest.

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