Du hast Feierabend, legst das Handy weg und setzt dich aufs Sofa. Eigentlich müsstest du dich jetzt doch entspannen. Stattdessen gehst du im Kopf noch einmal das Gespräch von heute durch, denkst an morgen und erinnerst dich plötzlich an etwas, das du längst erledigen wolltest. Dein Körper ist im Pause-Modus, aber dein Kopf ist noch mitten im Tag.
Entspannung funktioniert nicht für jeden gleich. Während die eine Person bei einer Meditation zur Ruhe kommt, wird jemand anderes dabei erst recht unruhig. Manche Menschen brauchen Bewegung, andere etwas, das ihre Hände beschäftigt. Und manchmal ist die beste Entspannung, mal nichts leisten zu müssen. Die Frage ist deshalb nicht nur, wie du entspannst. Sondern was du gerade brauchst, um aus dem Alltagstrubel auszusteigen.
Manchmal ist Ruhe genau das, was du gerade nicht aushältst. Du sitzt da und hast endlich Zeit – und plötzlich sind alle Gedanken wieder da. Was du gestern gesagt hast. Was morgen ansteht. Was du längst klären wolltest. Je mehr du versuchst, nicht darüber nachzudenken, desto hartnäckiger werden die Gedanken. Dann kann es helfen, deinem Kopf etwas anderes zu geben, worauf er sich konzentrieren kann. Ein Puzzle, bei dem du nach dem fehlenden Teil suchst. Gemüse, das du sorgfältig schneidest. Ein Kuchen, den du verzierst. Eine Pflanze, die du umtopfst. Oder ein altes Möbelstück, das du endlich abschleifst.
Solche Tätigkeiten haben nichts Spektakuläres an sich. Gerade das macht sie so angenehm. Deine Aufmerksamkeit wandert von den Gedanken zu deinen Händen, deinen Augen und dem, was gerade unmittelbar vor dir liegt. Du musst nichts erzwingen. Irgendwann bemerkst du vielleicht, dass du schon eine Weile nicht mehr über das Problem nachgedacht hast.
Es gibt auch das Gegenteil: Du bist nicht müde, sondern innerlich aufgedreht. Du möchtest am liebsten noch etwas tun, obwohl du eigentlich längst Feierabend hast. Dann kann Bewegung der bessere Weg sein als Stillhalten. Nicht unbedingt ein intensives Workout. Vielleicht drehst du eine Runde mit dem Fahrrad, schwimmst ein paar Bahnen oder stellst zu Hause deine Lieblingsmusik an und tanzt einfach los.
Auch etwas so Unscheinbares wie Gartenarbeit kann dabei helfen. Erde zwischen den Fingern, Unkraut zupfen, Äste schneiden, gießen – dein Körper bekommt etwas zu tun, während dein Kopf nicht ständig neue Aufgaben produzieren muss. Entspannung muss eben nicht immer bedeuten, dass du dich hinsetzt und möglichst ruhig wirst. Manchmal kommst du gerade durch Bewegung wieder bei dir selbst an.
Nicht jeder volle Kopf braucht eine Beschäftigung. Manchmal brauchst du schlicht weniger. Weniger Nachrichten. Weniger Geräusche. Weniger Entscheidungen. Weniger Menschen, die etwas von dir möchten. Mach das Licht am Abend etwas dunkler. Lass das Handy in einem anderen Raum liegen. Öffne das Fenster und hör einfach den Geräuschen draußen zu. Oder geh für zehn Minuten nach draußen, ohne Podcast, Musik oder Telefonat. Gerade wenn dein Alltag von ständigen Reizen geprägt ist, wirkt eine Pause erstaunlich wohltuend. Du musst dabei nichts erreichen. Es reicht, für einen Moment nicht noch mehr aufzunehmen.
Entspannung hat auch eine Seite, die in vielen Ratgebern zu kurz kommt: Freude. Du musst deine freie Zeit nicht immer dafür nutzen, dich zu beruhigen oder deinen Stress zu reduzieren. Vielleicht möchtest du einfach etwas machen, das dir Spaß macht. Zieh dich zurück und hör das Album, das du seit Jahren liebst. Back den Lieblingskuchen aus deiner Kindheit. Besuche einen kleinen Laden, an dem du sonst immer vorbeigehst. Hol deine Kamera raus oder nimm dir einen Nachmittag frei von dem Gedanken, dass deine Zeit möglichst sinnvoll genutzt werden muss. Gerade Tätigkeiten ohne tieferen Zweck können herrlich wohltuend sein. Nicht alles, was dir guttut, muss dich weiterbringen.
Vielleicht ist deine persönliche Auszeit deshalb nichts, was man auf Instagram zeigen würde. Du sitzt am offenen Fenster und trinkst deinen Kaffee. Du faltest Wäsche, während du Musik hörst. Du gehst eine Runde durch den Park und schaust dabei den Menschen zu. Du stellst dich unter die Dusche und bleibst danach noch fünf Minuten im Bademantel sitzen. Das Entscheidende ist nicht, wie entspannend eine Tätigkeit von außen aussieht. Entscheidend ist, was währenddessen mit dir passiert:
Daran kannst du deine eigenen kleinen Ruheinseln erkennen.
Und dann gibt es noch die Tage, an denen selbst das zu viel ist. An denen du weder meditieren, Sport machen, kreativ sein noch einen Spaziergang unternehmen möchtest. Manchmal ist eine halbe Stunde auf dem Sofa genau das, was du brauchst. Du musst deine freie Zeit nicht optimieren. Nicht jede Pause braucht ein Ritual und nicht jede ruhige Minute muss einen bestimmten Zweck erfüllen.
Vielleicht besteht dein persönlicher Weg zur Ruhe deshalb nicht aus einer festen Methode. Sondern darin, immer besser zu merken, wann du Beschäftigung brauchst, wann Bewegung, wann weniger Reize – und wann einfach eine Pause. Denn Entspannung beginnt nicht unbedingt damit, dass du etwas Bestimmtes tust. Manchmal beginnt sie mit der viel einfacheren Frage: Was würde mir jetzt wirklich guttun?
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