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Energieräuber? Nicht mit dir!

Eigentlich war es doch nett: eine Stunde plaudern, nichts Aufregendes. Und trotzdem sitzt du danach im Auto und merkst, wie leer du bist. Du gehst das Gespräch noch einmal durch und findest nichts, was es erklärt. Nur dieses Gefühl, dass du die ganze Zeit zugehört und mitgefühlt hast und über dich selbst kaum ein Wort verloren hast. Dazu war dann einfach keine Zeit mehr.

Was einen Energieräuber ausmacht

Energieräuber sind Menschen, bei denen du dich nach dem Zusammensein schwächer fühlst als vorher. Im Alltag ist auch von Energievampiren die Rede. Sie nehmen viel Aufmerksamkeit, Zeit und Zuwendung in Anspruch und lassen dir davon wenig übrig.

Das kann ganz unterschiedlich aussehen: Jemand erzählt immer wieder von seinen Problemen, braucht ständig Bestätigung oder macht aus jeder Kleinigkeit ein großes Thema. Vielleicht läuft es auch immer gleich ab: Du hörst zu, beruhigst und versuchst, eine Lösung zu finden.

Ein einzelnes anstrengendes Gespräch macht noch keinen Energieräuber. Interessant wird es, wenn du dich nach Begegnungen mit derselben Person immer wieder ausgelaugt fühlst.

Was zwischen euch passiert

Müdigkeit nach einem Gespräch kann verschiedene Gründe haben. Daher lohnt es sich genauer hinzusehen.

Du saugst die Stimmungen auf

Anspannung, Frust oder Unruhe bleiben nicht unbedingt beim Gegenüber. Wenn du viel Zeit mit einem Menschen verbringst, der ständig aufgewühlt ist, kann seine Stimmung noch eine Weile bei dir nachwirken. Du merkst erst später, wie angespannt du selbst geworden bist.

Du fühlst zu stark mit

Du hörst von den Sorgen eines anderen und tauchst selbst darin ein. Du denkst später weiter darüber nach, überlegst, was helfen könnte, und fragst dich, wie es ihm jetzt wohl geht. Aus Anteilnahme wird so schnell etwas, das dich auch nach dem Gespräch noch beschäftigt.

Warum gerade du?

Du merkst sofort, wenn jemand nicht gut drauf ist. Also fragst du nach, hörst zu und versuchst zu helfen. Das ist schön – bis du irgendwann bemerkst, dass du die Sorgen anderer leichter bemerkst als deine eigenen. Ein trauriger Blick, ein „Ich weiß einfach nicht mehr weiter“ – und schon ist der eigene Wunsch, zu helfen, größer als der Gedanke daran, ob man gerade überhaupt die Kraft dafür hat.

Auch Gewohnheit spielt eine Rolle. Wenn du in einer Freundschaft schon immer eher zugehört hast, wird daraus schnell eine feste Rollenverteilung. Der andere erzählt, du fängst auf. Der andere sucht Rat, du denkst mit. Und irgendwann fühlt es sich so selbstverständlich an, dass dir erst auffällt, wie viel Kraft es kostet, wenn du sie nicht mehr hast.

So gehst du mit Energieräubern um

Deine Gefühle zählen

Nicht nur während des Gesprächs, sondern auch danach. Bist du müde, gereizt oder innerlich unruhig? Musst du noch lange darüber nachdenken? Solche Reaktionen können dir zeigen, dass eine Begegnung gerade zu viel Raum bekommt.

Etwas Abstand bitte

Nicht jedes Problem, das dir jemand erzählt, braucht deine Lösung. Manchmal möchte ein Mensch einfach erzählen. Und manchmal ist es auch völlig in Ordnung, wenn du nicht weißt, was du dazu sagen sollst.

Zurück zu dir

Wenn du merkst, dass du gedanklich wieder bei den Sorgen des anderen bist, richte den Blick auf dich: Was beschäftigt dich gerade? Was brauchst du? Was wolltest du eigentlich mit diesem Menschen besprechen?

Grenzen sind wichtig

„Heute habe ich nicht so viel Zeit“ kann schon reichen. Oder: „Darüber möchte ich jetzt nicht sprechen.“ Je früher du klar zu verstehen gibst, was du möchtest, desto leichter ist es, gegenzusteuern.

Nicht ausufern lassen

Du merkst schon während des Gesprächs, dass deine Kraft weniger wird? Dann darfst du auch einmal früher gehen. Nicht jede Frage braucht eine sofortige Antwort, nicht jedes Treffen muss stattfinden. Manchmal tut ein wenig Abstand gut, bevor ein Kontakt dich auslaugt.

Wenn Nähe plötzlich Kraft kostet

Bei einer Freundin, einem Familienmitglied oder dem Partner ist die Sache schwieriger. Schließlich möchtest du Menschen, die dir wichtig sind, nicht einfach auf Abstand halten. Schau deshalb genauer hin:

  • Ist gerade einfach eine schwierige Phase?
  • Oder läuft eure Beziehung schon lange nach demselben Muster?
  • Dreht sich vieles um die Probleme des anderen?
  • Ist auch Platz für deine Themen?
  • Und wie fühlt es sich an, wenn du einmal nicht sofort verfügbar bist?

Das Miteinander kann ab und an Kraft kosten, das ist normal. Wir hören einander zu, helfen uns und sind füreinander da. Schwierig wird es dort, wo einer dauerhaft gibt und der andere vor allem nimmt.

Bleib bei dir

Um einen Energieräuber loszuwerden, musst du diesen Menschen nicht unbedingt aus deinem Leben streichen. Oft verändert sich schon viel, wenn du aufhörst, dich für die Stimmung des anderen zuständig zu fühlen. Du musst nicht bei jedem Seufzer nachhaken und nicht jede Klage mit einem guten Rat beantworten. Sag auch gerne, wenn es dir gerade zu viel ist.

Und dann kommt dieser Moment nach dem Treffen. Die Tür fällt ins Schloss und du merkst erst jetzt, wie müde du bist. Nimm dir ein paar Minuten, bevor der Alltag weitergeht. Dreh im Auto die Musik auf. Lauf eine Runde um den Block. Oder setz dich einfach hin, ohne Handy und ohne dass jemand etwas von dir will. Und erzähl beim nächsten Kaffee ruhig auch mal, wie es dir geht. Du wirst schnell merken, wer zuhört.

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